I — VERTRAUEN

Was sind
Freimaurer?

Niemand soll und wird das schauen,
was einander wir vertraut.
denn auf Schweigen und Vertrauen,
ist der Tempel aufgebaut.

Johan W.Goethe

Die Bruderkette

II — LESEN & ENTDECKEN

Eine Geschichte
in vier Spuren.

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Die Frage hinter dem Wort

Was sind Freimaurer? Viele Synonyme schießen einem durch den Kopf, wenn der Begriff „ Freimaurer“ fällt. Was sind Freimaurer? Geheimbund, geheime Bruderschaft oder gar Weltverschwörer? Doch erst mal von Anfang:

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Vom Steinmetz zum Freimaurer

Das Wort „Freimaurer“ stammt aus dem angelsächsischen „Freemason“, was im Deutschen mit „Steinmetz“ übersetzt werden kann. Die Bauhüttentradition der Steinmetze gilt als ein wichtiger Bezugspunkt der Freimaurerei. In den Bauhütten wurden handwerkliche Kenntnisse, Regeln und Formen des Zusammenwirkens gepflegt. Die heutige Freimaurerei greift die Sprache und die Werkzeuge dieses Handwerks symbolisch auf: Das Bauen wird zum Bild für die Arbeit am eigenen Charakter und für verantwortliches Handeln in der Gemeinschaft.

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London und die erste Großloge

1717 ist ein wichtiger, gut belegter Wendepunkt der Geschichte. Am 24. Juni dieses Jahres kamen vier bereits bestehende Londoner Logen zusammen, erklärten sich zu einer Großloge und wählten einen ersten Großmeister. Dieses Ereignis markiert nicht den einfachen Anfang einer vollständig fertigen Freimaurerei. Es steht vielmehr für den Moment, ab dem sich ihre moderne Organisationsform besonders klar historisch nachvollziehen lässt. Frühere Entwicklungen, Überlieferungen und Einflüsse bleiben deshalb Teil einer komplexeren Vorgeschichte.

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Was davor war

Dass, ab diesem Zusammenschluss eine gut definierte Dokumentation zur Entstehungsgeschichte der Freimaurerei vorliegt, steht außer Frage. Doch was war davor? Wie weit die Wurzeln der Freimaurer zurückreichen ist höchst spekulativ, kann aber anhand von Ableitungen schön zurückverfolgt werden. Wer die Rituale der Freimaurer kennt, kann bestätigen, zahlreiche Einflüsse wiederzufinden, die weit zurückreichen. Die Rituale sind keine Erfindung von Einzelnen, sondern ein Resultat, welches über die Jahre entstandene ist.

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Traditionslinien und Deutungen

Einflüsse stammen beispielsweise aus der Tradition der Sufis, einer mystischen Tradition des Islam, aus der jüdischen Mysterien Lehre der Kabbala, enthält alchimistischen Inhalte, erinnert an die Tempelritter, greift auf christliche Einflüße zurück und lässt zahlreiches aus der ägyptischen Mysterienschule vermuten. Solche Bezüge werden innerhalb und außerhalb der Freimaurerei unterschiedlich gedeutet. Sie zeigen vor allem, dass ihre Bildsprache und ihre Geschichte nicht auf eine einzige, einfache Herkunftserzählung reduziert werden können.

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Eine Haltung zum Leben

Freimaurerei versteht sich als ethischer Bund und als Einladung zur persönlichen Entwicklung. Im Mittelpunkt stehen nicht materielle Vorteile oder ein geschäftliches Netzwerk, sondern die Frage, wie ein Mensch sein eigenes Handeln verantwortungsvoll gestalten kann. Dazu gehören Selbstprüfung, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, den eigenen Standpunkt im Gespräch mit anderen weiterzuentwickeln. Freimaurerische Arbeit will keine fertigen Antworten für alle Lebenslagen liefern. Sie setzt bei der einzelnen Person an und verbindet innere Haltung mit dem Anspruch, im Alltag menschlich und aufrecht zu handeln.

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Symbole als Denkwerkzeuge

Zirkel, Winkelmaß, Lot, Kelle und der Stein erinnern an die Sprache des Bauhandwerks. In der Freimaurerei werden sie nicht als technische Werkzeuge gezeigt, sondern als Bilder für Fragen des Lebens: Wo ziehe ich Grenzen? Woran richte ich mich aus? Wie arbeite ich an mir selbst und im Miteinander? Ihre Bedeutung ist nicht dogmatisch festgelegt. Gerade darin liegt ihre Stärke: Symbole eröffnen einen gemeinsamen Anlass zum Nachdenken und geben Raum für persönliche Deutung, ohne dem Einzelnen eine einzige Lesart vorzuschreiben.

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Humanität und Wohltätigkeit

Humanität bedeutet, der Würde anderer Menschen mit Respekt, Verständnis und Mitgefühl zu begegnen. In freimaurerischem Verständnis endet dieser Gedanke nicht bei Worten. Er zeigt sich im persönlichen Verhalten, im Zusammenhalt der Gemeinschaft und im Engagement für Menschen, die Unterstützung benötigen. Wohltätigkeit kann eine Spende sein, aber ebenso Zeit, Aufmerksamkeit, Wissen oder tatkräftige Hilfe. Der Anspruch richtet sich nach innen und außen zugleich: an der eigenen Haltung zu arbeiten und dort, wo es möglich ist, einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

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Freiheit, Toleranz und Verantwortung

Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit zählen zu den zentralen Grundsätzen der modernen Freimaurerei. Menschen sollen sich nicht über Herkunft, Beruf, politische Überzeugung oder religiöses Bekenntnis voneinander abgrenzen. Die Loge ist weder eine Religionsgemeinschaft noch eine politische Partei; sie ist ein ethischer Bund. Gerade deshalb verlangt sie von ihren Mitgliedern, unterschiedliche Überzeugungen respektvoll auszuhalten und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Toleranz bedeutet dabei nicht Beliebigkeit, sondern die bewusste Anerkennung der Würde und Freiheit des anderen.

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Loge, Großloge und Gästeabend

Eine Loge ist eine konkrete Gemeinschaft von Menschen, die regelmäßig zusammenkommt und ihre eigenen Traditionen, Formen und Schwerpunkte pflegt. In Deutschland gibt es unterschiedliche Großlogen und Lehrarten; Vielfalt gehört deshalb zur freimaurerischen Wirklichkeit. Wer sich informieren möchte, muss nichts versprechen und nichts entscheiden. Der erste Schritt ist das persönliche Gespräch. Gästeabende bieten Raum, Fragen zu stellen, Brüder kennenzulernen und einen Eindruck von der Loge zu gewinnen. Erst wenn beide Seiten sich über eine längere Zeit kennengelernt haben, kann sich die Frage einer Mitgliedschaft stellen.